Polypropylen (PP) auf PTFE (Teflon) kleben
DIN EN 1465 Verfahrensanweisung für PP auf PTFE: Chemische Systemlösung mit Loctite 770 Polyolefin-Primer + Loctite 406 Cyanacrylat, Vorbehandlung & Zugscherfestigkeit.
Materialkennwerte & Benetzbarkeit
Prüfnorm: DIN EN 828| Substrat | Oberflächenenergie | Vorbehandlung | Details |
|---|---|---|---|
| Polypropylen (PP) | 29–31 mN/m (Extrem unpolar) | Ausschließlich reines Isopropanol (99,9%). Keinesfalls Aceton oder Nitroverdünnung verwenden! | Profil ↗ |
| PTFE (Teflon) | 18–20 mN/m (Anti-Haft Maximum) | Spezial-Entfetter; für Maximalfestigkeit ist Natrium-Ätzung oder Spezial-MMA nötig. | Profil ↗ |
Bauphysik: Ursache des Scheiterns
PTFE (Teflon) besitzt mit ca. 18 mN/m die niedrigste Oberflächenenergie aller technischen Festkörper. Ohne chemische Polarisierung findet keine Adhäsion statt.
Fügechemie: Systemlösung
Niedrigenergetische Polyolefine (PP, PE) besitzen eine extrem unpolare Wachsstruktur. Der 2K-MMA Hochleistungsklebstoff 3M Scotch-Weld DP 8005 besitzt einen innovativen Organoboran-Komplex, der die C-H-Bindungen des Kunststoffs ohne Vorbehandlung, Beflammen oder Primer direkt aufbricht und eine chemisch kovalente Verbindung nach DIN EN 1465 herstellt.
BOM: Abgestimmtes Komplettsystem
Industrielle 2K-Systeme nutzen ein spezielles 10:1 Mischungsverhältnis in Doppelkammer-Kartuschen (z. B. 38 ml / 45 ml / 50 ml). Handelsübliche Silikon- oder Montagekleber-Pressen aus dem Baumarkt (1K) sind mechanisch nicht kompatibel. Die oben im Komplettsystem gelistete 10:1 Doppelkolben-Pistole gewährleistet das exakte Mischungsverhältnis und den erforderlichen Druck für den Statikmischer.
Verfahrensanweisung (Schritt für Schritt)
DIN EN 13887Reinigen Sie Polypropylen (PP) und PTFE (Teflon) mit reinem 99,9% Isopropanol. Verwenden Sie fusselfreie Reinigungstücher und vermeiden Sie Aceton bei thermoplastischen Kunststoffen.
Rauen Sie die Fügeflächen mit feinem Schleifvlies (Scotch-Brite) im Kreuzschliff leicht an, um die Benetzbarkeit nach DIN EN 828 zu optimieren. Schleifstaub trocken entfernen.
Kartusche in die 10:1 Dosierpistole einsetzen und Quadro-Statikmischer aufschrauben. Den ersten Zentimeter Klebstoff verwerfen, um homogenes 10:1 Mischungsverhältnis sicherzustellen.
Fügeteile innerhalb der 3 Minuten Verarbeitungszeit (Topfzeit) passgenau zusammenfügen. Mit Klemmen fixieren, nicht übermäßig auspressen.
Handfestigkeit nach ca. 2–3 Stunden. Endfestigkeit und maximale Scherfestigkeit (> 15 N/mm²) nach 24 Stunden bei 23 °C.
Häufige verfahrenstechnische Fragen (FAQ)
Muss PTFE aufgeraut werden? ›
Ein leichtes Anrauen mit feinem Schleifvlies vor dem Primerauftrag vergrößert die wirksame Kontaktoberfläche und verbessert die Scherfestigkeit.
Wie dick sollte die Klebefuge zwischen PP und PTFE sein? ›
Empfohlen ist eine Fugenstärke von ca. 0,3 bis 0,8 mm. Dies gewährleistet eine optimale Spannungsverteilung nach DIN EN 1465.
Ist die Verbindung vibrationsfest? ›
Ja. Das empfohlene Reaktivsystem besitzt eine ausgewogene Zähelastizität, die dynamische Lastwechsel und thermische Dehnungen abfängt.