Polypropylen (PP) auf EPDM Kautschuk kleben
DIN EN 1465 Verfahrensanweisung für PP auf EPDM: Chemische Systemlösung mit 1K-MS-Polymer Hybridkleber (Dauerelastisch), Vorbehandlung & Zugscherfestigkeit.
Materialkennwerte & Benetzbarkeit
Prüfnorm: DIN EN 828| Substrat | Oberflächenenergie | Vorbehandlung | Details |
|---|---|---|---|
| Polypropylen (PP) | 29–31 mN/m (Extrem unpolar) | Ausschließlich reines Isopropanol (99,9%). Keinesfalls Aceton oder Nitroverdünnung verwenden! | Profil ↗ |
| EPDM Kautschuk | Elastisch, vulkanisiert, unpolar | Talkum- und Rußreste mechanisch mit Vlies und Isopropanol vollständig abwaschen. | Profil ↗ |
Bauphysik: Ursache des Scheiterns
EPDM ist ein ruß- und weichmacherhaltiger synthetischer Kautschuk mit hoher Schwingungs- und Temperaturdehnung. Spröde Klebstoffe reißen bei dynamischer Belastung sofort ab.
Fügechemie: Systemlösung
Niedrigenergetische Polyolefine (PP, PE) besitzen eine extrem unpolare Wachsstruktur. Der 2K-MMA Hochleistungsklebstoff 3M Scotch-Weld DP 8005 besitzt einen innovativen Organoboran-Komplex, der die C-H-Bindungen des Kunststoffs ohne Vorbehandlung, Beflammen oder Primer direkt aufbricht und eine chemisch kovalente Verbindung nach DIN EN 1465 herstellt.
BOM: Abgestimmtes Komplettsystem
Industrielle 2K-Systeme nutzen ein spezielles 10:1 Mischungsverhältnis in Doppelkammer-Kartuschen (z. B. 38 ml / 45 ml / 50 ml). Handelsübliche Silikon- oder Montagekleber-Pressen aus dem Baumarkt (1K) sind mechanisch nicht kompatibel. Die oben im Komplettsystem gelistete 10:1 Doppelkolben-Pistole gewährleistet das exakte Mischungsverhältnis und den erforderlichen Druck für den Statikmischer.
Verfahrensanweisung (Schritt für Schritt)
DIN EN 13887Reinigen Sie Polypropylen (PP) und EPDM Kautschuk mit reinem 99,9% Isopropanol. Verwenden Sie fusselfreie Reinigungstücher und vermeiden Sie Aceton bei thermoplastischen Kunststoffen.
Rauen Sie die Fügeflächen mit feinem Schleifvlies (Scotch-Brite) im Kreuzschliff leicht an, um die Benetzbarkeit nach DIN EN 828 zu optimieren. Schleifstaub trocken entfernen.
Kartusche in die 10:1 Dosierpistole einsetzen und Quadro-Statikmischer aufschrauben. Den ersten Zentimeter Klebstoff verwerfen, um homogenes 10:1 Mischungsverhältnis sicherzustellen.
Fügeteile innerhalb der 3 Minuten Verarbeitungszeit (Topfzeit) passgenau zusammenfügen. Mit Klemmen fixieren, nicht übermäßig auspressen.
Handfestigkeit nach ca. 2–3 Stunden. Endfestigkeit und maximale Scherfestigkeit (> 15 N/mm²) nach 24 Stunden bei 23 °C.
Häufige verfahrenstechnische Fragen (FAQ)
Ist die Fuge dauerhaft witterungsbeständig? ›
Ja. MS-Polymere sind UV-stabil, dauernassfest und widerstehen Temperaturen von -40 °C bis +90 °C.
Wie dick sollte die Klebefuge zwischen PP und EPDM sein? ›
Empfohlen ist eine Fugenstärke von ca. 0,3 bis 0,8 mm. Dies gewährleistet eine optimale Spannungsverteilung nach DIN EN 1465.
Ist die Verbindung vibrationsfest? ›
Ja. Das empfohlene Reaktivsystem besitzt eine ausgewogene Zähelastizität, die dynamische Lastwechsel und thermische Dehnungen abfängt.